Wie ich mal der Schwerste im Zug war

Heute um 18 Uhr geht mein Bus nach Battambang.
Ich packe meine Sachen und deponiere meinen Rucksack an der Rezeption.
Bevor Anastasia abreist gehen wir noch eine Kleinigkeit essen.
Danach mache ich nichts mehr.
Ich lümmel am Pool rum, spiele etwas im Internet und warte das der Tag zuende geht und ich endlich in den Bus steigen kann.
Pünktlich werde ich von einem Kleinbus abgeholt und zum Busbahnhof gefahren.
Hier heißt es dann warten……
Eine Stunde sitze ich hier rum, bis endlich mein Bus da ist.
Ich hab ja mit einem Sleeperbus mit engen kleinen Kojen gerecht aber das Gefährt ist etwas anders, weil man hier fast so etwas wie ein richtiges Bett hat und das sogar mit eigener Steckdose und natürlich mit Licht und Klimaanlage.
Alles sieht zwar etwas alt und selbst gebastelt aus, dafür ist es aber super bequem.
Nach einer Weile schau ich auf mein Handy um zu schauen wo wir gerade sind und wunder mich ein wenig, weil der Bus nicht Richtung Battambang sondern nach Phnom Penh fährt.
Ziemlich großer Umweg eigentlich aber gut was soll es.
Bevor ich einschlafe bemerke ich noch etwas ungewöhnliches, anscheinend sind mehr Passagiere an Bord als es auf dem ersten Blick aussieht, der Bus ist voll mit Kakerlaken und kleinen Käfern.
Toll ich hätte wohl doch lieber eins der oberen Betten nehmen sollen.
Immerhin machen die kleinen Krabbeltiere nicht so einen Krach wie die Mäuse mit denen ich mir auf Koh Rong Sanloem nen Bungalow teilen musste.
Es ist schon hell als ich aufwache.
Ein Blick auf die Karte verrät mir, das wir kurz vor Siem Reap sind.
Ich hätte mich wirklich vorher informieren sollen, wo der Bus entlang fährt, weil diese Stadt meine geplante letzte Station in Kambodscha ist.
In Siem Reap heißt es dann alle aussteigen.
Etwas verloren und noch sehr schlaftrunken stehe ich jetzt mit meinem Zeug in einem Hinterhof und bin nicht ganz sicher wie es weiter geht.
Dann wird plötzlich ein großes Tor aufgemacht und mir wird gezeigt, daß ich in einen anderen Bus steigen soll.
Ich bin gerade dabei meinen Krempel im Kofferraum des Busses zu verstauen als ein Typ zu mir kommt und nach meinen Ticket fragt.
Ich zeige es ihm aber er will es nicht nur anschauen, er will es haben.
Dazu muss ich sagen, das alle von dem Bus Unternehmen mit denen ich bis jetzt zu tun hatte ein halbwegs ordentliches Hemd an hatten.
Der Kontrolleure der jetzt vor mir steht trägt aber ein T-Shirt und das macht mich stutzig.
Ich frage ob er bei dem Unternehmen arbeitet.
Klar arbeitet es bei dem Unternehmen sagt er und zeigt auf ein Wappen auf seinem Shirt.
Ich weiß zwar nicht wie das Zeichen des Bus Unternehmens aussieht aber dieses Wappen hab ich noch nie gesehen.
Warum er kein Hemd wie alle anderen trägt möchte ich wissen, worauf er mir erzählt das er heute morgen verschlafen hat.
Das klingt mir alles zu dubios und ich sage, das ich mein Ticket nicht rausrücke und steige in den Bus.
Keine Ahnung ob das richtig oder falsch war aber der Gedanke, das ich dann ohne Fahrkarte da stehe ist mir einfach nicht gehäuer.
Im Bus ist es dann ziemlich lustig weil eine kambodschanische Fußballmanschaft mit fährt.
Ich bin soweit ich das sehen kann der einzige Ausländer und bekomme im laufe der Fahrt von den Spielern sogar zu essen.:mrgreen:

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Nach ein paar Stunden muss ich wieder umsteigen.
Diesesmal ist es ein normaler Bus der mich bis Battambang bringen soll.
Wobei ganz 100% normal ist dieser auch nicht, weil die ganze Zeit Karaoke Songs laufen. Zum Glück singt niemand mit……

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Als ich endlich Battambang erreiche werde ich wie immer von Tuktuk Fahrern umzingelt.
Es ist ziemlich weit bis zu meiner Unterkunft und eigentlich ist es auch viel zu heiß zum laufen also lasse ich mich auf einen der Fahrer ein, der mich für 3$ zum Guesthouse fahren will.
Weit kommen wir nicht.
Nach etwa 200 Metern wird mein Fahrer von einem anderen Tuktuk Fahrer angehalten.
Die beiden reden kurz mit einander und dann heißt es, das ich umsteigen soll.
Ich packe also mein Zeug in das andere Fahrzeug und weil ich ja so neugierig bin steige ich wieder aus und werde so Zeuge, wie der neue dem alten Fahrer Geld gibt.
Als sie bemerken, daß ich praktisch daneben stehe versuchen sie es zwar ein wenig zu vertuschen aber ich bin ja nicht blind und jetzt ist es eh zu spät.
Ich erkläre meinem neuen Fahrer, das ich keine Lust habe mehr als den vereinbarten Preis zu bezahlen.
Nein, nein, keine Sorge. Antwort dieser.
Aber wie wäre es, wenn ich eine Tagestour bei ihm buche fragt er keine 10 Sekunden später.
Aha, da her weht also der Wind. 🙂
Ach das überlege ich mir noch  meine ich.
Dann fängt er an mir die Tour anzupreisen.
Logisch, wenn ich nicht mit ihm eine Tagestour mache, hat er nichts verdient und mich praktisch kostenlos zum Hostel gebracht.
Genau das sage ich ihm auch und er gibt zu, das er dann sogar etwas Miese macht.
Ich sage ihm, daß er damit aber rechnen musste und weil er lacht und es mit Humor nimmt stimme ich zu und verabrede mich für 13 Uhr zur Stadtrundfahrt.

Im Hostel (Ganesha Guesthouse ) mache ich mich kurz frisch und weil ich auch ein wenig Hunger habe werfe ich einen Blick in die Speisekarte.
Schon die ersten 2 Gerichte auf der Karte überraschen mich.
1.Wiener Schnitzel 2. Jägerschnitzel.
Nach dem ich Monate lang immer und überall nach meiner Leibspeise suchen musste scheine ich diese Woche einen echten lauf zu haben.
Hiermit rufe ich für mich offiziell die „German-Week“ aus und bestelle ein Schnitzel. :mrgreen:

So sind meine Gedanken mal wieder in der Heimat.

Der Tuktuk Fahrer macht heute ein gutes Geschäft weil außer mir noch 3 Holländerinnen immerhin eine kleine Tour bei ihm gebucht haben.

Erster Stop ist der berühmte „Bamboo-Train“ .
Kurz zur Erklärung :

Richtig heißen diese selbst gebastelten Gefährte „Norry“.
In Kambodscha fahren schon lange keine Züge mehr (mittlerweile gibt es wie ich gelesen habe auf einigen Strecken wieder Güterverkehr )
In den 80ern haben dann einheimische die noch vorhandenen Schienen genutzt um mit selbst gebauten Fahrzeugen auf den schienen zu fahren.
Die Norrys wurden vorallem zum Transport und als Taxi benutzt.
Mittlerweile werden mit den Dingen allerdings fast nur noch Touristen über die alten welligen Schiene gekutscht.
Da ich ja nachweislich(Touristenvisum im Reisepass) ein Tourist bin gehöre ich also ganz klar zur Zielgruppe.
Es gibt auch eine tolle Vorfahtsregel.
Da es nur ein Gleis gibt, kommt es natürlich öfter vor, das sich 2 Norrys begegnen.
Der am wenigsten beladene muss dann von der Schiene runter und dem anderen Platz machen.
Um den Wagen von der Schiene zu heben wird erst die Plattform auf der man sitzt abgehoben und dann die Räder zur Seite geräumt.  Ziemlich praktisch.

5$ kostet eine Fahrt und wir rattern los.
Den Gleisen merkt man schon an, das ich seit Jahren niemand mehr um sie gekümmert hat aber gerade das bringt irgendwie den Spaß.

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Ich weiß nicht ob es an mir liegt aber als uns wirklich auf halber Strecke ein anderes Schienen Taxi begegnen muss dieses den Weg für uns frei machen.
Irgendwie fühle ich mich jetzt zu dick.:'(

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Am Ziel einem kleinen „Dorf“ ist schnell klar, daß hier wirklich nur noch Touristen unterwegs sind weil jede Hütte hier ein Souvenir Shop ist und man sofort von kleinen Mädchen belagert wird, die Armbänder verkaufen wollen.
Nach dem ich die Kinder abgewimmelt habe (ich musste schwören, das wenn ich doch noch ein Armband möchte ich es nur bei den Mädchen kaufe.
Schländer ich ein wenig durch die Gegend.  Leider gibt es hier wirklich gar nichts besonderes.
Nach 20 Minuten geht es endlich wieder zurück.

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Am Bahnhof soll ich dann in ein anderes Tuktuk steigen, das mich zum nächsten Highlight bringt.
Einen Tempel und ein paar Höhlen.
Das beste an dem Tempel ist, daß er auf einen Berg liegt und die Aussicht genial ist.
In der Höhle wird man dann mal wieder mit der grausamen Geschichte dieses Landes konfrontiert weil hier von 75 bis 79 tausende von Menschen in den Tod gestürzt wurden.

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Als ich wieder unten bin ist der letzte Punkt auf dem Programm die Fledermaus Höhle.
Es ist schon kurz nach 5 als wir an der Höhle sind und ich weiß nicht so ganz, was ich hier soll.
Mann kann zwar zu der Höhle schauen und der Lärm den die Tiere machen ist auch nicht zu überhören aber weil es nicht möglich ist diese zu betreten bin ich eigentlich dafür weiter zu fahren.

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Mein Fahrer meint das ich warten soll und mir am besten erstmal ein Bierchen hole.
Wird gemacht……
Langsam kommen immer mehr Leute und alle tun das selbe wie ich ….warten.
Ich erfahre jetzt auch worauf….we die Sonne untergeht verlassen die Fledermäuse ihr Zuhause und das muss man angeblich gesehen haben.
Ich hab schon mal Fledermäuse gesehen die abends losfliegen um auf Jagd zu gehen (auf diesen Weg mal ein versteckter Gruß an die Römers wo die Flattertierchen wohnen) und erwarte deshalb nicht viel.

Kurz nach 18 Uhr ist es dann soweit und ich muss zugeben, daß ich mit solch einem Spektakel nicht gerecht habe.
Eine Kilometer lange schwarze Linie zieht sich durch den abendlichen Himmel.
Wie ich jetzt höre dauert das ganze über eine Stunde und es sind etwa 3 Millionen dieser Tiere die sich auf den weg machen.
Echt Irre!!!
Leider erkennt man auf den Fotos nich sehr viel aber wer mal nach Battambang kommt sollte sich das auf keinen Fall entgehen lassen!

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Weil ich im Blog soweit hinterher hänge und ich den nächsten Tag hier bis auf einen kleinen Ausflug in die Stadt nicht viel unternommen habe belasse ich es mal bei dem was ich bis jetzt zu Battambang geschrieben habe.

Fast, weil mir noch 2 Dinge einfallen, die ich hier wohl noch schreiben sollte.
Zum einen ist mir hier im Gasthaus ein deutscher aufgefallen mit dem ich zwar nicht geredet habe aber was auf seinem T-Shirt stand hat mich neugierig gemacht und nach dem ich Google befragt hab war er mir recht sympathisch weil er für eine Organisation die sich „Kleine Hilfsaktion e.V.“ nennt unterwegs ist.
(Findet man auch bei Facebook)

Und dann muss ich natürlich auch noch  Nadine, Antje, Julia und Vicki aus der Rhön grüßen denen ich hier begegnet bin.
 


4 Gedanken zu “Wie ich mal der Schwerste im Zug war

  1. Holländerinnen, Französinnen, Polinnen, Östereicherinnen…du weißt schon, dass du mit ganz Europa flirtest und unterwegs bist. Ein weiteres Highlight auf deiner Reise, dem du ein eigenes Kapitel in deinem späteren Reisetagebuch widmen solltest.

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  2. Unser Womanizer 😉 – die Fledermäuse hätte ich auch gerne gesehen, klasse! Du hast wirklich einen guten Riecher, wenn es darum geht, gute Fahrer zu wählen. Und das mit dem T-Shirt-Mann… ich wäre vermutlich gutgläubig gewesen und auf die Schnüss gefallen. Gute Reise – ich freue mich schon auf deinen Bericht aus Siem Reap.

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