Wie ich mal 100$ gefunden habe

Heute ist es soweit, heute muss ich die Insel verlassen.
Ich hab mich für die Fähre um 11 Uhr entschieden. Welche auch wieder vom „Rumi-Pier“ ablegt.
Das ist zwar ein etwas weiter Weg für mich zu laufen aber weil im „Sol Beach Resort“ das WLAN noch nicht geht finde ich es eine gute Idee dort vorher noch einen Kaffee zu trinken und ein wenig im Internet zu surfen.
Nach dem Frühstück verabschiede ich mich also noch schnell von Laura und Tobi  (dem deutschen Paar, das ich hier kennengelernt habe), schnappe meinen Rucksack und laufe los.
Zwar wurde mir vom Resort angeboten mich mit dem Boot zum Pier zu fahren aber ich habe Lust die 2 Kilometer am Strand entlang zu schlendern. (Mit einem 15 Kilo schweren Rucksack ist es gar nicht so leicht zu „schlendern“ aber weil ich das Wort mag und weil man am Strand nicht „latscht“ oder schreitet und weil laufen zu langweilig klingt schlender ich eben).
Über pünktlich um kurz nach 10 Uhr komme ich im Rumi an, ich
werfe noch einen heimlichen Blick auf den Mäuse – Bungalow der jetzt anscheinend von Chinesen bewohnt wird, grüße die netten Mädels die hier versuchen alles in Schuss zu halten, bestelle einen Kaffee und mach es mir bequem.
Eine Stunde später ist von der Fähre immer noch nichts zu sehen.
Kein Grund zur Sorge, ich bin schließlich im Urlaub, die wird schon kommen.

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Um 13 Uhr kommen Laura und Tobi vorbei und sind natürlich etwas überrascht mich hier zu treffen.
Ja meine Fähre hat schon 2 Stunden Verspätung.
Aber kein Grund zur Sorge, irgendwann wird die schon noch auftauchen.
Vielleicht hat die Fähre ja einen neuen Kapitän und vielleicht hat dieser ja vorher bei der Deutschen Bahn gearbeitet.
Ne knappe Stunde später sehe ich dann endlich das gelbe Schiff, das mich zurück aufs Festland bringen soll.
Nicht ganz 3 Stunden zu spät aber ich will mal nicht kleinlich sein immerhin konnte ich so noch ein wenig länger auf der Insel bleiben.
Anscheinend gab es Probleme mit dem Motor und als wir losfahren glaube ich diese Entschuldigung auch zu 100% weil eine riesige rabenschwarze Rauchwolke aus dem hinteren Teil der Fähre aufsteigt.
Sehr beruhigend!
Die Überfahrt dauert 40 Minuten und obwohl unser Boot mehr qualmt als Helmut Schmidt schaffen wir es bis nach Sihanoukvill.
Eigentlich wollte ich ja diesesmal ein anderes Hostel, das etwas dichter am Zentrum liegt buchen aber weil ich etwas zu spät im Internet nach einer passenden Unterkunft gesucht habe und weil die Hostels die noch frei waren alle nicht so gute Bewertungen hatten hab ich mich dann doch wieder für das „Backpackers Heaven“ entschieden.
Hier treffe ich dann auch Michaela und Carsten.
Was ich ziemlich klasse finde, weil Michaela aus der Nähe von Nordhausen kommt und weil Carsten mir hilft meinen Blog ein wenig zu optimieren.
Außerdem kann ich die Beiden mit meinem ganzen gesammelten Wissen über Koh Rong Sanloem überhäufen. :mrgreen:

Am Abend habe ich dann eine Mission.
Nennen wir diese einfach mal „Operation paniert serviert“ das ich nichts mehr vermisse als ein ordentliches Schnitzel ist ja nun kein Geheimnis und angeblich solle in der Nähe meines Hostels ein deutsches Restaurant geben und genau dieses suche ich jetzt.
Lange muss ich nicht suchen weil die Straße in der ein paar interessante Bars sind nicht sehr weit ist.
Ich entdecke auch gleich die Bar an der groß die schwarz, rot, goldene Flagge hängt.

Dann die erste Enttäuschung, kein Schnitzel……dafür gibt es aber Currywurst.
Ich komme zwar gerade nicht von der Schicht aber wenn schon Herbert Grönemeyer eine Hymne für Currywurst geschrieben hat ist es wenigstens ein kleines Trostpflaster.
Außerdem fühle ich mich hier in der Bar fast wie zu Hause.
Am Tresen diskutieren ein paar deutsche Auswanderer über Nichtigkeiten und es geht sogar zwischendurch ziemlich heftig zur Sache.
Irgendwann entschuldigt der Wirt sich sogar bei mir für den rauen Ton speziell eines Gastes, normalerweise ist das eine ruhige Bar sagt er.
Er muss sich nicht entschuldigen weil ich ehrlich gesagt die „Show“ genieße und ich mich da ich ja Kneipersohn bin hier fast wie Zuhause fühle.
Später komme ich auch noch kurz mit dem ein oder anderen Stammgast ins Gespräch und bis auf das Fehlen meiner Leibspeise fühle ich mich pudelwohl.
Bevor ich gehe kann ich es mir allerdings nicht verkneifen den Wirt zu fragen wo ich denn in dieser Stadt ein ordentliches Schnitzel bekomme.
Die Antwort gefällt mir: „Wenn du morgen wieder kommst mach ich dir ein Schnitzel.“
Abgemacht!
Dann macht der Wirt nen Fehler und fragt was ich denn dazu haben möchte.
Ich antworte, das es mir egal ist, solange es nicht Reis oder Nudeln sind.
Da meldet sich ein anderer Gast zu Wort und was er sagt lässt mein Herz höher schlagen, den Wirt allerdings ein kleinen wenig verzweifeln.
Das Zauberwort lautet. „Bratkartoffeln!“
Das is es! Ich zahle jeden Preis für ein ordentliches Schnitzel mit Bratkartoffeln!

Wäre das geklärt und ich habe den ganzen morgigen Tag etwas worauf ich mich freuen kann.
Zurück im Hostel quatschen ich noch ein wenig mit Carsten und Michaela bevor es irgendwann Zeit ist ins Bett zu gehen.

Am nächsten Morgen :

Heute ist ein großer Feiertag hier in Kambodscha.
Man feiert den „TADPEESB“ das ist natürlich eine Abkürzung und ich vermute das nich alle Leute hier heute in Festtagsstimmung sind aber ich für meinen Teil werde ihn auf jeden zelebrieren, den „Tag an dem Patrick endlich ein Schnitzel bekommt“.
Im Hostel lerne ich Anastasia kennen und ich muß sagen, das Mädel beeindruckt mich.
Weil wir uns gut verstehen und sie eh alleine unterwegs ist gehen wir in der Nähe etwas essen.
Ich hab zwar langsam das Gefühl, daß ich Viel zu oft über Geldautomaten schreibe aber am späten Nachmittag passiert Anastasia das, was vor ein paar Monaten in Hanoi schon meinem kanadischen Kumpel Bart passiert ist.
Der ATM zieht ihre Karte ein.
Das Mädel reagiert allerdings ganz anders als ich es in diesem Moment erwartet hätte.
Sie bleibt ganz entspannt, fragt nach wo sie die Karte wieder bekommt.
Morgen in der Stadt bei der Bank?!
Alles klar, danke Tschüß.
Ich lass mich zwar auch nicht so schnell aus der Ruhe bringen aber Anastasia ist noch mal einen Zacken schärfer als ich.
Auch ist sie nicht dumm und hat es sich anscheinend grundsätzlich zur Gewohnheit gemacht anderer Meinung als ihr Gegenüber zu sein.
Finde ich irgendwie gut und das sage ich ihr auch.

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Am Abend wird es dann Zeit für mich Schnitzel essen zu gehen.
Weil mir die Straße in der die Bar liegt doch nicht ganz so sicher erscheint, lasse ich vorsorglich mein Handy und den größten Teil von meinem Bargeld im Hostel und laufe los.
In der Bar werde ich dann freudig vom Chef und den Stammgästen begrüßt und nach einer kurzen Wartezeit ist es dann endlich soweit ich bekomme mein lang ersehntes Schnitzel mit Bratkartoffeln und es schmeckt fast wie Zuhause. 🙂

Der Abend verläuft dann auch etwas merkwürdig und ich ende in einer dubiosen Karaoke Bar wobei man hier das Wort Bar wohl getrost durch Schuppen oder Hütte ersetzten kann.
Ich weiß nicht ob es Glück ist, daß es hier keine englischen Lieder zur Auswahl gibt, weshalb ich nicht in die Vergangenheit komme selber singen zu müssen.
Wobei es auch schon nicht einfach ist sich den ganzen Abend schief gesungene kambotschanische Lieder zuhören.
Außerdem hab ich mich nicht wirklich sicher gefühlt in diesem merkwürdigen Laden.
Aber gut, es ist nichts passiert und zu holen war bei mir den Abend eh nix.

Am nächsten Tag begleite ich Anastasia zur Bank die etwa 4 Kilometer entfernt ist.
Ich kann meine Glück kaum fassen als ich am Straßenrand einen 100$ Schein finde.😁
Ich schau mir die Banknote an und auch wenn sie ziemlich echt aussieht kann ich mir einfach nicht vorstellen, daß hier in einem relativ armen Land einfach so ein Hunderter auf der Straße liegt.
Ich komme zu der Erkenntnis das es warscheinlich eine Blüte ist und weil ich keine Lust habe hier ärger wegen Falschgeld zu bekommen werfe ich den Schein wieder weg.

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Wir laufen weiter und etwa 50 Meter weiter liegt noch eine hundert Dollar Note.
Dann noch eine und noch eine.
Auf dem weg zur Bank laufen wir etwa an *5000 Dollar vorbei und weil jeder der hier unterwegs ist das Geld ignoriert denke ich richtig gehandelt zu haben.

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Weil es in der Bank etwas länger dauert und wir ein paar Stunden warten sollen bis die Visa Karte vom Automaten abgeholt wird entscheiden wir in die Stadt zu gehen.
Ich finde noch ein deutsches Restaurant aber weil ich ja schon mein Schnitzel hatte esse ich hier nur ein paar  (schlechte Thüringer).
Anastasia möchte unbedingt zur Massage und weil sie einen besonderen Massage Salon entdeckt hat besuchen wir diesen auch.
Was diesen Salon so besonders macht sind die Leute von denen man hier massiert wird.
Das ist wohl ein spezielles Programm um blinden Menschen eine Möglichkeit zu geben Geld zu verdienen.
Wir lassen und also eine Stunde lang von den Blinden durchkneten und ich finde das Projekt echt klasse.

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Völlig entspannt können wir jetzt Anastasias Kreditkarte abholen und uns auf den Heimweg begeben.
Übrigens gibt es mal wieder die ein oder andere Situation in der ich feststellen muss, das alleinreisende Frauen wie Anastasia in der Regel ganz anders reagieren wenn es um Geld geht.
Wärend ich es nicht so schlimm finde wenn ich irgendwo mal ein paar Cent zu viel bezahle, diskutieren Frauen bis aufs Messer und so lange bis sie den Preis den sie für richtig halten bekommen.

Am Abend ziehe ich wieder alleine los, schließlich gehen Männer immer allein in die Kneipe :mrgreen:
Ich fühle mich schon fast wie Zuhause in der Bar, lerne viel über das Leben als Auswanderer in Kambodscha und auch wenn ich nicht alles was ich höre und sehe so cool finde fühle ich mich pudelwohl und bin schon ein wenig traurig,  das ich die Stadt morgen verlasse.
Im Hostel trinke und diskutiere (wie immer ist sie bei allem anderer Meinung was mir echt gefällt) ich dann später noch etwas mit Anastasia bevor es Zeit wird schlafen zu gehen.

Morgen geht es mit dem Bus nach Battambang.

*Ich hab in der Bar noch mal nachfragen und anscheinend ist es hier üblich bei einer Beerdigung auf dem weg zum Friedhof falsche 100$ Noten zu werfen.


2 Gedanken zu “Wie ich mal 100$ gefunden habe

  1. Bei einer Beerdigung in Dubai besteht zumindest eine theoretische Chance, dass die Trauernden echte 100$ Noten flattern lassen. Aber das wirst du ja noch sehen, wenn du mal dort bist.

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