Wie ich mal mit einem Plastik-Bambusfloß auf dem Li River geschipper bin

Früh um 8 Uhr steht plötzlich Jemand neben meinem Bett und weckt mich.
„Good morning. Would you like to ride the Tour today?“
Morgens bin ich nicht gerade der Schnellste und ich brauche ein paar Sekunden bis ich überhaupt verstehe was hier gerade los ist.

Ach klar, ich habe ja gestern Nacht gefragt ob es noch möglich ist bei der „Bambooboat-Tour“ mit zu fahren.
Wann geht der Ausflug eigentlich los?
Ich will noch nicht aufstehen!
Meine Antwort ist ein verschlafenes „Yes.“
Ich bin mehr als nur ein bisschen dankbar als das Wada-Girl  (hab ich schon erwähnt das sich die Mädels die hier arbeiten selbst Wada-Girls nennen?) mit einem Lächeln „Take your time, we start at 10 o`clock.“ sagt.
Genug Zeit also um wach zu werden, zu duschen und ganz wichtig, Kaffee zu trinken.
Kurz nach 10 steht ein gut gelaunter Chinese in der Lobby und verfrachtet die Belgier, mich und noch 2 andere Leute in einen Kleinbus.
Wärend er los fährt wird uns erklärt, daß wir nur ein kleines Stück fahren, bis wir in einen größeren Bus umsteigen.Der andere Bus ist schon verdammt voll und ich stelle fest, daß fast die Hälfte der Mitfahrer chinesische Touristen sind.
Unser neuer Guide ist auch schon an Bord und stellt sich als endlich alle Leute eingesammelt sind vor und erzählt ein wenig was uns heute erwartet.  Seinen Namen hab ich schon 10 Sekunden nach dem er sich vorgestellt hat vergessen aber gut, ich bin ja hier weil ich Floß fahren möchte und nicht um mir den Namen irgend eines viel zu schnell sprechenden Chinesen zu merken.
Nach einer ziemlich langen Fahrt erreichen wir endlich unser Ziel.
Schon unterwegs war die Aussicht auf die Felsen und Berge ziemlich klasse aber hier am Fluß ist es noch mal ein kleines bisschen besser.
Unser Guide erklärt uns, daß wir in Vierer Gruppen aufgeteilt werden müssen.
Was mir gar nicht gefällt, weil ich ja eigentlich mit meinen belgischen Freunden Boot fahren möchte.
Was mir auch nicht passt ist das Wetter, es ist zwar schön warm aber leider ist der Himmel grau, was nicht gerade die besten Voraussetzungen für Schöne Fotos verspricht.
Ich werde zu 3 anderen Leuten gestellt und verabschiede mich dramatisch von den Belgiern.
Der Abschiedsschmerz ist aber schnell verflogen, weil meine neuen 3 Begleiter Deutsche sind.:)
Eine Mitteldeutsche Truppe sogar.
Nach dem wir also alle in Gruppen eingeteilt sind bekommt jeder von uns 10¥ und eine Eintrittskarte in die Hand gedrückt.
Dann geht es endlich durch ein Drehkreuz zu den Booten.
Ich bin mir nicht sicher aber ich glaube mich zu errinnern, das unser Guide gesagt hat ,daß das Geld für den Bootsmann ist, wir es ihm aber erst später geben sollen.
Wir gehen alle 4 zu dem „Bambooboat“ das uns gezeigt wird und drücken alle als erstes dem Kapitän jeder den Zehner in die Hand.
Auf dem Boot, das übrigens nicht aus Bambus sondern aus blauen Plastikrohren ist bekommen wir Schwimmwesten angelegt, der Bootsmann schmeißt den Motor an und wir tucker los.
Die Landschaft ist unglaublich schön aber was stört ist unser Bootsführer weil der Vogel kaum das wir abgelegt haben anfängt uns auf chinesisch voll zu quatschen.
Eigentlich verstehen wir nur eins, der Typ will mehr Geld.
Nix da! Wir haben schon genug für die Fahrt bezahlt und ihm erst vor 2 Minuten noch 40 Schleifen extra gegeben.
Nach einer gefühlten ewigen gibt er endlich auf und macht seinen Job (klappe halten und Touristen über den Li River schipper) und wir unsererseits machen unseren Job (staunen wie schön doch alles ist und Fotos knipsen).

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Nach einer Stunde und nur 2 weiteren erfolglosen Versuchen uns etwas mehr Geld aus den Rippen zu leiern bringt der Kapitän uns wieder sicher an Land.
Eigentlich hab ich mir Bambusfloß fahren zwar anders vorgestellt aber die tolle Landschaft entschädigt für einiges.
Hätte ich mir das Angebot für die Tour etwas genauer angeschaut, wäre mir bei der Beschreibung sicher das „One Way“ aufgefallen und hätte mich stutzig werden lassen.
Ist es aber nicht!
Langsam realisiere ich, das die Rückfahrt nicht mit im Preis inbegriffen ist.
Das ist aber eigentlich gar kein Problem weil es wenigstens 3 Möglichkeiten gibt wieder zurück nach Guilin zu kommen:

1. Ich gehe ins nahegelegene Yangshuo (mein Plan ist es eh hier die nächsten Tage zu verbringen, schade das mein Rucksack noch im Wada ist) und fahre mit der Bahn zurück.

2. Ich zahle dem Reiseleiter 100¥ und fahre in ein Dorf am Yulong River wo ich eine Stunde mit nem richtigen Bambus Floß fahren kann und fahre dann mit unserem Bus zurück.

3. Ich zahle dem Reiseleiter 40¥ verbringe eine Stunde in dem Dorf und schaue den richtigen Bambus Floßen zu und fahre mit unserem Bus nach einer Stunde wieder zurück.

Das sind also meine 3 Möglichkeiten, Möglichkeiten, Möglichkeiten. 🎶

Ich entscheide mich für die Zweite und gebe dem für mich namenlosen Guide noch mal hundert chinesische Taler.

Der nun nicht mehr ganz so volle Bus braucht etwa 45 Minuten bis wir den kleinen Ort Baisha erreichen.
Im Dorf werden wir erstmal von einem Wasserbüffel begrüßt, der echte Modell Qualität beweist weil es ich von dem Fotoshooting das spontan mit dem Tier veranstaltet wird nicht aus der Ruhe bringen lässt.
Dann geht es zufuß weiter bis zur 600 Jahre alten Drachenbrücke.

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Hier sind dann auch endlich die lang ersehnten Bambusfloße und diese sind sogar aus Bambus (verrückt).
Anscheinend haben alle Chinesen unserer Gruppe und ich als einziger nicht Asiate das Geld für die extra Flußfahrt gelatzt.
Ich klettere auf eins der Boote, der Besitzer des Floßen geht auf sein Position und wir manövrieren erstmal weg vom Ufer ein Stück Fluss aufwärts nach etwa 200 Metern stoppen wir.
Erst verstehe ich nicht ganz was das soll und ich befürchte schon, daß ich wieder wegen etwas mehr Geld anhauen werde.
Aber der Bootsmann möchte mir nur etwas zeigen.
Etwa 20 Meter von uns entfernt auf einem anderen Bambusfloß steht nämlich ein Fischer.
Das besondere ist hier allerdings, daß in dem Fall nicht mit einem Netz oder ner Angel auf Fischfang gegangen wird,
sondern mit Kormoranen.
Ich beobachte wie einer der zahmen Vögel nach einem Fisch taucht.
Anschließend hält sein „Herrchen‘ eine lange Stange ins Wasser auf die sich das Tier setzt.
Seim Besitzer muss sich dann nur noch den Fang aus dem Schlund des Vogels herausholen und das Abendessen ist gesichert.

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Nach dem wir uns das eine Weile angeschaut haben dreht der chinesische Gondolieri und wir schippern zusammen mit ein Paar anderen Bambooboaten Fluss abwärts.
Das Wetter hat sich in der Zwischenzeit auch um einiges gebessert und ich bin wirklich froh die kleine Exta-Tour gewählt zu haben.:)

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3 Gedanken zu “Wie ich mal mit einem Plastik-Bambusfloß auf dem Li River geschipper bin

  1. Jede ein Punkt, jede ein Punkt….
    Hihihihihihi.

    Sehr schöne Fotos. Also vor allem die von den echten Bambus-Bööööötchen. (Alter: Blaue Pastik-Bambus-Attrappen sind aber auch echt scharf!)

    Viele Grüße!
    aba

    Gefällt 1 Person

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