Wie ich mal durch eine chinesische Kleinstadt geradelt bin

Heute geht es weiten nach Guilin das Ticket für die fast 27 stündige  Fahrt kostet 31 Euro und hab es schon in der Tasche. 
Weil der Zug erst um 18.47 Uhr geht hab ich noch genug Zeit um zu packen und nen kleinen Abstecher ins Muslimische Virtel zu machen.
Gegen 17 Uhr wird es Zeit zum Bahnhof zu gehen.
Weil ich diesesmal am Zentralen Bahnhof starte entscheide ich die U-Bahn bis zu der Station die am nächsten ist zu nehmen und dann den letzten Kilometer zu laufen.
Die U-Bahn ist rammel voll und diesesmal ist es wirklich nicht einfach mit all meinem Geraffel den Wagen zu verlassen.
Auch kommen mir langsam Zweifel ob mein Plan zum Bahnhof zu laufen eine so gute Idee war.
Ich hab zwar noch etwas mehr als eine Stunde Zeit aber der Weg ist doch weiter als ich dachte.
Um 18.20 Uhr hab ich es dann doch geschafft.
Ich bin in einer riesen Menschenmenge und schaffe es dann irgendwann die Gepäck Kontrolle zu passieren und das Bahnhofs Gebäude zu betreten.
Ich finde auch recht schnell die ewig lange Schlange am Eingang zu meinen Bahnsteig.
Mal wieder bin ich anscheinend der einzige nicht Chinese und wenn die Menschen in diesem Land.
Eigentlich denkt man ja immer die Chinesen sehen sehr diszipliniert und geordnet aber wenn es darum geht zum Bahnsteig zu gelangen will jeder der erste sein und es ist einfach nur ein riesen Durcheinander.
Als ich endlich den Zug und meinen Wagon in dem ich die nächsten 27 Stunden verbringen werde erreiche.
Bin ich erstmal etwas verwirrt, weil auf eine Platznummer 3 Betten fallen.
Weil es generell angenehmer ist unten zu liegen und das Bett anscheinend nicht besetzt ist nehme ich das untere Bett.

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Die Fahrt mit dem Zug ist im Gegensatz zu meinen Erlebnissen in Russland und der Mongolei ziemlich langweilig.
Im Bett gegenüber liegt ein ziemlich dicker älterer Chinese, der die ganze Zeit nur mit schlafen und essen beschäftigt ist und absolut kein Interesse daran hat sich mit mir oder irgend jemanden zu unterhalten.
Weiter vorne sind noch 2 Holländer aber bis auf ein freundliches Grüßen haben wir uns auch nix weiter zu sagen.
Ich verbringe also die ganze Zeit mit lesen, schreiben und aus dem Fenster gucken.
Klingt langweilig, ist es irgendwann auch.
Am nächsten Abend um halb 11 erreichen wir dann Guilin.
Der Bahnhof an dem ich jetzt stehe ist nur dummerweise ziemlich weit außerhalb der Stadt.
Bleibt mir also nichts anderes übrig als mich von einem Taxifahrer übers Ohr hauen zu lassen.

In Guilin hab ich mich für das Wada Hostel entscheiden und schon die tolle und lustige Begrüßung an der Rezeption lässt mich ahnen, das es eine Gute Idee war.
Das gemütliche 4 Bett Zimmer mit eigenem Bad, riesigen Lockern fürs Gepäck und WLAN mit dem es sogar möglich ist ohne VPN auf Google, Instagram und Facebook zu kommen überzeugen mich dann entgultig davon mit dem Wada die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Eigentlich könnte ich mir noch einen kleinen Absacker an der Bar gönnen aber ich bin viel zu müde und geh lieber schlafen.

Das Frühstück und vor allem der Kaffee sind spitze.
Bleibt nur noch die Frage was ich hier heute unternehmen kann.
Weil ich im Internet gelesen hab, daß man hier Fahrräder leihen kann und ich die Idee mit dem Drahtesel die Gegend zu erkunden gar nicht so schlecht finde.
Frag ich an der Rezeption ob ich einen Rat und ein Rad haben kann.
Ich bekomme eine Papierkarte auf der mir gezeigt wir wo ich am besten lang fahren kann und eine Plastikkarte mit der ich mir ein City bike holen kann.
Erst bin ich etwas verwirrt, weil ich ganz fest der Meinung war, daß das Wada eigene Mountain Bikes oder ähnliches verleiht.
Aber eigentlich ist der Gedanke mit so einem kleinen orangenen Fahrrad hier rum zu kurven eh viel lustiger. 😁
Bewaffnet mit der Chipkarte und meinem Stadtplan laufe ich hoch motiviert zur nahegelegenen City Bike Station und es klappt sogar beim ersten Versuch das Fahrrad aus der Sicherung zu befreien.
Jetzt muss ich also nur noch los radeln.

An dieser Stelle kurz meine bisherigen Eindrücke vom Straßenverkehr in China.
Schon als Fußgänger ist es in den Städten für mich teilweise eine kleine Herausforderungen in diesem Land klar zu kommen.
Ich habe zum Beispiel immer wieder den Eindruck das Zebrastreifen hier nur ein Vorschlag sind wo man es eventuell mal versuchen kann über die Straße zu gehen. Weil es auf den Straßen nur so wimmelt von Autos, Motorädern und vor allem Elektro Scootern.

In dieser Masse von Fahrzeugen möchte ich jetzt also mit meinem kleinen klapprigen Fahrrad mit schwimmen.

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Auch der Umstand das Guilin nur eine chinesische Kleinstadt ist hilft mir da nicht wirklich weiter weil mit etwas über einer Million Einwohner in diesem Städtchen etwa so viele Menschen wie in Köln leben.
Aber gut, was muss, das muss.
Immerhin hab ich fast 4 Euro für das Rad bezahlt.
Todesmutig stürze ich mich in das Getümmel und ehrlich gesagt macht es sogar Spaß :mrgreen: gelegentlich wild klingelnd die Fußgänger und andere Radfahrer zu überholen.
Aus dem Weg! Hier komme ich mit meinem brutal orangenen Höllenbike!!!😂
Als erstes fahre ich zum Li River, der mitten durch Guilin fließt.
Hier ist der Verkehr auch nicht merken ganz so schlimm und ich komme gut vorran.
Trotz des in China üblichen Smogs ist sind die markanten Felsen die in und um der Stadt aus dem Boden zu sprießen scheinen ziemlich beindruckend.

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An einer wie ich finde schönen Stelle am Ufer der Flusses mache ich die erste kleine Rast.
Jetzt steh ich nur vor einem kleinen Problem, ich würde mich ja gerne ans Ufer setzen allerdings hab ich keine Ahnung wie das Zahlenschloss meines Gefährts funktioniert.
Als erstes mache ich ein Foto von der aktuelle eingestellten Zahlenkombination.

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Dann verstelle ich alles auf eine Zahlenfolge die ich mir merken kann und schließe sie Verriegelung.
Funktioniert super 🙂 abschließen klappt ohne Probleme, blöd nur, daß ich das Schloss jetzt nicht mehr auf bekomme.
Jetzt heißt es Ruhe bewahren, mit den von mir eingegebenen Zahlen geht es nicht also muss das Foto von der ursprünglichen Einstellung herhalten und siehe da, es klappt. 🙂
Ich bin eben doch ein Genie und kann jetzt ganz beruhigt mein Päuschen machen.
Ne halbe Stunde später düse ich weiter, jetzt will ich endlich aus der Stadt raus und zur „Schilfrohrflöten Höhle“ (Reed Flute Caves) weil diese anscheinend etwas außerhalb der Stadt liegt.
Was sie auch wirklich tut, allerdings ist hier alles voll Touristen und weil ich ja eigentlich nach nem ruhigen Plätzchen suche radel ich einfach weiter und genau das War die beste Idee überhaupt.
Keinen Kilometer von der Höhle entfernt ist es einfach nur schön, ruhig und der Blick auf die Berge ist atemberaubend.

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Ich suche mir ein gemütliches Plätzchen in der Nähe eines Baches und genieße die Stille.
Schmetterlinge so groß wie Schwalben schmettern flattern um mich herrum und ich mache mit meinen mitgebrachten Snacks ein kleines Picknick.

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Viel später schwinge ich mich wieder auf meinen Drahtesel und strampel zurück in die Zivilisation.
Was für ein Ausflug.

Im Hostel mache ich es mir abends im Hof gemütlich hier treffe ich erst einen Amerikaner, wir quatschen ein wenig und nach etwa 20 Minuten meint er, daß ihm meine Geschichten irgendwie bekannt vorkommen und er hat recht, wir kennen uns schon. 😂
In Peking waren wir im selben Hostel und haben dort auch einen Abend zusammen in der Bar gesessen.
Man trifft wirklich viel zu viele Leute wenn man länger als Backpacker unterwegs ist und irgendwann wird es verdammt schwer sich an jede Begegnung zu errinnern.

Später gesellen sich noch 4 Belgier zu uns, wir spielen Karten und ich lerne verdammt viele neue Schimpfwort😂.
Die Belgier erzählen dann auch, daß sie für den nächsten Tag eine Fahrt mit dem Bambusfloß gebucht haben.
Das klingt klasse, das will ich auch also geh ich (es ist mittlerweile schon kurz nach Mitternacht ) an die Rezeption um auch so einen Ausflug zu buchen.
Weil es doch schon etwas spät ist kann man mir nicht sagen ob es wirklich noch klappt mich bei der Tour mitzunehmen, ich soll doch einfach morgen Früh noch mal fragen.
Na hoffentlich werde ich rechtzeitig wach um zu fragen.;)


2 Gedanken zu “Wie ich mal durch eine chinesische Kleinstadt geradelt bin

  1. Oje, zuerst dachte ich, dass das mit dem Rad gar keine so gute Idee sein könnte. Ich meine, bei dem Verkehr…
    Aber letztlich schien es ja doch eine grossartige Idee gewesen zu sein. Respekt für deinen Mut. 😉

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