Wie ich mal Google, Istagram und Facebook in China bekommen hab

Bis auf das tropfen von der Decke ist die Fahrt in dem Bus recht angenehm.
Ich werde von Bill mit allerlei Knabberkram versorgt, mit denen wir die Leute die unteren schlafen voll bröseln.
Irgendwann halten wir an und es wird unruhig im Bus weil alle so schnell wir möglich raus wollen.
Ich schau mir das ganze erst mal aus meiner sicheren Koje an, bevor auch ich in meine patschnassen Schuhe schlüpfen und nach draußen geh.
Wir stehen an einer Raststätte, großen  Hunger hab ich zwar nich aber weil sich wirklich alle etwas zu essen holen mache ich das auch.
Wie in einer schlechten Kantine bekommen ich nach dem ich 30¥ bezahlt habe einen Aluteller und mir werden die verschiedensten „Köstlichkeiten“ auf den Teller gepatscht.
Die Beilagen sind auch ganz ok aber das was vermutlich mal eine Ente war kann ich einfach nicht essen.
Anscheinend habe ich nur die Knochen und das Fett bekommen.
Ein schlechtes Gewissen muß ich weil ich das dann auf dem Teller gelassen hab übrigens nicht haben,
weil ich gelesen hab, das es unhöflich ist auf zu essen.

Im Bus schaffe ich es dann zu schlafen,  bis wir kurz vor 3 Uhr Peking erreichen.
Der Bus parkt in einem dunklen Hof und der Fahrer steigt aus und geht.
Ich bin etwas verwirrt, weil fast alle im Bus liegen bleiben.
Ich frage Bill was los ist und er antwortet nur kurz, das wie da sind.
Ich sag das ich erst mal nach meinem Rucksack schauen und dann los gehen möchte.
Worauf der Amerikaner meint, das er mich begleitet.
Also Kämpfe ich mich durch den engen Gang zwischen den Schlafenden zum Ausgang.
Ich bin ziemlich erleichtert als sich der Kofferraum des Busses öffnen lässt, weil ich schon befürchtet hab er sei abgeschlossen.
Schnappe meinen Rucksack und stelle mich in der Nähe unter einem Dach unter.
Jetzt krame ich meine Regenjacke raus und verpacken meinen Rucksack mit dem Raincover.
Ein Blick auf mein Handy verrät mir, das es bis zur nächsten U-Bahn Station etwa ein Kilometer ist.
Ich bin startklar aber wo ist Bill?
Unsicher warte ich noch eine Weile als der Amerikaner nach etwa 10 Minuten immer noch nicht da ist entscheide ich zurück in den Bus zu gehen.
Ich lege meine Rucksack wieder in den Kofferraum und kletter in den Bus.
Als ich es zurück in mein Bett geschafft hab muss ich feststellen, daß Bill nicht mehr da ist.
Was nun?
Der Gedanke daran mich wieder durch den engen Gang aus dem Bus zu kämpfen gefällt mir ganz und gar nicht.
Die Entscheidung ist also gefallen, ich bleibe hier.
5 Minuten später schleiche ich mich wieder durch den engen Gang nach Vorne wobei ich mehr oder weniger erfolgreich versuche nirgends drauf zu treten (die Leute die unten schlafen haben alle ihre Sachen aus Platzmangel neben sich in den engen Gang gestellt) und niemanden zu wecken.
Ich schulter meinen Rucksack und will gerade los laufen als Bill um die Ecke kommt.
Er hat nen anderen Ausgang genommen und als er mich nicht gefunden hat is er zurück gekommen.
Gemeinsam machen wir uns durch den Regen auf den Weg zur U-Bahn.
Als wir an der Station ankommen wird klar, warum die anderen im Bus geblieben sind…..die nächste Bahn geht erst um halb 6.
Jetzt is guter Rat teuer.
Wir könnten wie ein paar Chinesen es schon tun uns vor die U-Bahn Station setzten und warten.
Allerdings sieht das nicht gerade bequem aus.
Bill mein das er in der Nähe ein Hotel gesehen hat also laufen wir wieder durch den Regen zurück und gehen in das Hotel.
Der Plan ist hier in der Lobby zu warten, bis wir endlich weiter können.
Nach einer halben Stunde verlässt mich Bill weil er sich überlegt ein Taxi zu nehmen und am Bahnhof mit dem ersten Zug weiter ins Inland zu fahren.
Ich bleibe noch und pünktlich um halb Sechs stapfe ich durch riesige Pfützen zurück zur U-Bahn.
Da mir das Hostel vorher eine Wegbeschreibung geschickt hat weiß ich das ich an der Station mit dem tollen Namen 张自忠路 aussteigen muss.
Nach dem mein Gepäck durchleuchtet wurde und ich ein Security Mann meine Taschen abgetastet hat geh ich also an den Schalter, zeige der jungen Frau auf dem Handy wo ich hin möchte und bekommen meine Fahrkarte.
Zum Glück ist U-Bahn fahren in Peking Idioten Sicher, ich finde dank super Ausschilderung sofort die richtige Bahn, muss nur ein mal umsteigen und 30 Minuten später stehe ich an großen  Straße und ich bin mir sicher, daß hier in der Nähe irgendwo mein Hostel sein muß.
So früh am Morgen sind die Straßen in Peking für Chinesische Verhältnise noch recht leer.
Ich lese mir noch einmal kurz die Wegbeschreibung durch und laufe zielsicher in die falsche Richtung.
Als ich meinen Fehler bemerke und noch mal auf dem Handy schaue um zu sehen wo ich denn überhaupt bin passiert das Schlimmste was in so einem Moment geschehen kann.
Das verdammte Telefon reagiert nicht mehr und geht aus.
Das ist jetzt natürlich eine ganz blöde Situation weil ich wirklich ALLE lebenswichtigen  Informationen auf dem Gerät habe.
Nach 5 Minuten bangen, hoffen und wildem alle Knöpfe drücken entscheidet sich das Telefon doch wieder an zu gehen.
Ich gehe zurück zur U-Bahn Station und entscheide mich gleich hinter dem Gebäude gleich in die erste kleine Gasse abzubiegen.
Die engen Straßen mit den kleinen Häusern nennt man Hutong und aus der Beschreibung von Hostelworld.com (meine lieblings Plattform zum Zimmer buchen) weiß ich, das mein Hostel in genau so einem Hutong sein muss.
Das Hostel das ich mir in Peking ausgesucht habe ist das „Happy Dragon“.
Aus einer Internerbewertung weiß ich das es schon vorgekommen ist, daß jemand in das falsche Hostel gegangen ist, weil in der selben Straße eine Unterkunft mit änlichen Namen ist und gerade deshalb freue ich mich als ich nach 200 Metern das „Dragon King Hostel“ entdecke.
Weit kann es also nicht mehr sein!
Und tatsächlich nur ein kleines Stück weiter auf der linken Seite ist es dann auch.
Klatsch nass stehe ich an der Rezeption und bekomme nach dem ich mein Zimmer für 4 Nächte bezahlt habe den Schlüssel für meine neue Bleibe.
Dieses mal hab ich ein 6 Bett Zimmer welches sogar ein eigenes Bad hat.
Zur Zeit schlafen hier 3 andere Gäste und ich richte mich so leise wie möglich ein und genehmige mir nach dieser langen Tour erstmal eine Mütze Schlaf.
Als ich wach werde ist es schon nach 15 Uhr auch wenn ich keine Lust habe aufzustehen schaffe ich es mich ins Bad zu schleppen und 20 später sitze ich in der gemütlichen Bar des Hostels und genehmige mir eine ziemlich teuren aber verdammt guten Kaffee.
Weil ich ja nun nicht den ganzen Tag in meiner Bude verbringen möchte breche ich irgendwann auf ein wenig die Stadt zu erkunden.
Bei Peking denke ich immer zu erst an den Platz des Himmlischen Friedens also suche ich mir auch genau diesen als heutiges Tagesziel.
In der U-Bahn dann gleich ein kleines Problem weil aus irgendeinem Grund  (ich nehmen mal an wegen der 2 Tage zurückliegenden Militär Parade) die Station von der ich den kürzesten Weg zu diesen Platz nicht angefahren wird.
Kein Ding denke ich und hole mir ein Ticket für eine Haltestelle von der ich etwa 1 Kilometer weiter laufen muss.
Was in dieser Stadt wirklich auffällt sind die vielen Sicherheitskontrollen,
vor jeder U-Bahn Station und an allen wichtigen Plätzen wird das Gepäck durchleuchtet und die Taschen kontrolliert.
Was einerseits ein wenig nervig ist, andererseits aber auch ein verdammt sicheres Gefühl gibt.
Der Platz des himmlischen Friedens ist sehr beeindruckend.

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Überall wuseln Menschen herrum und machen Fotos. Die meisten sind chinesische Touristen und ich frage mich ob wenigstens ein paar von ihnen das weltberühmt Video von 1989 kennen in dem sich ein Passant mit Einkaufstaschen in der Hand vor eine Panzer Kolonne stellt.
Im Moment sieht man in China immer hin auf sämtlichen Monitoren und Fernsehern Panzer und Militär, weil wirklich überall die große Parade wegen der ich erst so spät einreisen könnte gezeigt wird.
Allerdings hatte hier niemand das Bedürfnis sich diesen in den Weg zu stellen.
Irgendwann mache ich mich dann wieder auf den Rückweg zum Hostel wo ich Penny und Adam kennenlerne.
Die beiden leben schon über ein Jahr in China als Englischlehrer und machen gerade ein paar Tage Urlaub hier in Peking.
Als ich erzähle das ich schon jetzt verdammt beeindruckt von der Stadt bin mir allerdings die Internet Zensur ziemlich auf die Nerven geht weil fast nichts funktioniert.
In China sind unteranderem Facebook, Twitter, Instagram und sämtliche Google Seiten gesperrt.
Nimmt Adam dieses zum Anlass mein Handy zu schnappen und eine App zu installieren mit der ich über gratis VPN surfen kann.
Zwar ist das Internet dann noch etwas langsamer aber ich kann endlich wieder auf alle Seiten zugreifen.
Wärend Penny und Adam raus auf Party gehen mache ich mir doch lieber einen gemütlichen ruhigen Abend im Hostel schließlich will ich morgen früh raus um die Verbote Stadt zu besuchen.


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