Wie ich mal ein Schnäppchen gemacht habe

Ich sitze allein im Hostel in der Küche und trinke meinen zweiten oder vielleicht sogar schon dritten Kaffee.
Obwohl ich ja so schnell wie möglich weiter wollte hänge ich jetzt schon den 6. Tag hier in Ulaanbaatar.
Schuld an allem haben die Chinesen.
Eigentlich hab ich schon am Abend nach dem wir von der Gobi Tour zurück gekommen sind geklärt, das ich ein Zug Ticket nach Peking bekomme.
Allerdings wusste ich da noch nicht, das in Peking eine große Militär Parade stattfinden sollte wegen der es den Hotels und Hostels für 5 Tage verboten war neue Gäste auf zu nehmen.
Dazu kam noch das es pro Woche nur 2 Züge gibt die direkt von Ulaanbaatar nach Peking fahren und weil die Chinesische Regierung über die Hälfte der Plätze im Zug reserviert hat hätte ich frühestens in 2 Wochen einen Platz in der Bahn bekommen.
Also musste eine Alternative her.

Eigentlich ist es auch ganz gut, das ich diese kleine Zwangspause einlegen musste, so hatte ich Zeit ein wenig am Blog (mit dem ich mittlerweile fast 3 Wochen hinterher hänge) zu basteln
und etwas in dem Buch über China das ich im Hostel gefunden hab zu schmökern.
Abends hat Andy meist was leckeres gekocht und weil ich beim kochen keine große Hilfe bin hab ich den Abwasch übernommen.
Einmal war ich auch nochmal mit Lisa und Tatsuki echt gut essen.
Jeden Tag bin ich mal für ein paar Stunden in die Stadt gegangen, mal war ich im Museum, mal hab ich mir den hiesigen Tempel angeschaut oder bin über irgendwelche Märkte geschlendert.
Immer darauf bedacht nur das Nötigste
mit zu nehmen und grundsätzlich erst mal misstrauisch zu sein wenn man hier in dieser Stadt angesprochen wird.

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So hatte ich zum Beispiel auch eine merkwürdige Begegnung mit einem etwa 30 Jährigen Mongolen:
Ich war gerade auf dem Weg zum Tempel als ich nen kleinen ruhigen Park entdeckt hab.
Da wirklich so gut wie niemand dort war hab ich es mir auf einer Bank in der Sonne bequem gemacht.
Als plötzlich ein etwas 30 Jähriger etwas ziemlich muskulöser Mongole auftaucht und sich mit auf meine Bank setzt.
Er fängt auch sofort an mit mir zu erzählen, leider nur zu 40% in einer Art Englisch und die anderen 60% auf mongolisch, ich muss mich schwer konzentrieren um zum einen zu verstehen was er mir erzählen will zum anderen immer mein Geld und das Handy im Auge zu behalten, weil der Typ mir immer mehr auf die Pelle ruckt.
Als er hört das ich Deutscher bin fängt er sofort an mir sämtliche Automarken und Fusballclubs die er kennt aufzuzählen.
Dann erklärte er mir noch das er der Boss hier in der Straße um die Ecke ist.
Was ich mit anerkennen freundlichen Staunen zu würdigen weiß.
Überhaupt gibt es für den Boss der Straße nur Drei wirklich große Männer die in der Welt etwas bewegt haben.
Platz Eins belegt dabei natürlich Dschingis Kahn, auf den Dritten Platz hat es immerhin Bill Gates geschafft und wenn ich nicht schon ein paar Tage hier in Ulaanbaatar wäre wurde mich Platz Zwei sicher verwirren, weil diesen Adolf Hitler belegt.
Schon ein paar mal sind mir hier Autos mit Hakenkreuz Flaggen aufgefallen und auch Mongolen mit Reichsadler auf dem T-Shirt kann man hier in der Stadt antreffen.
Es es ist schon ein beklemmendes  Gefühl als Fremder in einer Stadt zu sein in der man so etwas sieht.
Wobei es hierbei offenkundig darum geht die Chinesen zu vertreiben. (Einfach mal bei YouTube „Nazis in der Mongolei “ eingeben)
Mein neuer „Freund“ lässt auch ein paar böse Sprüche über die fürchterlichen Chinesen ab.
Nach ner halben Stunde schaffe ich es endlich den Typen abzuwimmeln und das Beste, ich hab noch all meine Sachen und kein blaues Auge.

Außerdem bin ich ziemlich stolz auf meine neue Errungenschafte, die ich einzig und allen Andy zu verdanken hab.
Weil er schon seit Tagen davon spricht sich unbedingt einen Kaschmir Pullover zu kaufen und es geschafft hat nen Fabrikverkauf in Ulaanbaatar zu finden.
Weil ich eh nix besseres zu tun hab begleite ich ihn.
Erst nehmen wir den Bus zum Bahnhof von wo wir dann über  staubige Straßen
und zwischendurch auch über Eisenbahnschienen auf unser Ziel zu steuern.
Im Laden dann selbst haben wir ne ganze Weile verbracht und ich war mir auch die ganze Zeit nicht sicher ob es wirklich so günstig ist hier einzukaufen.
Irgendwann entscheide ich mich dann aber doch einen Pullover für 65 Euro zu kaufen.
In der Nähe finden wir dann auch eine Bushaltestelle, so daß wir nicht den ganzen Weg zum Bahnhof zurück laufen müssen.
Es kommen in der halben Stunde die wir hier warten auch 5 Busse. Blöd nur, daß die alle in die falsche Richtung fahren.
Ein alter Toyota hält an und die 2 Frauen die hier auch schon ne Weile auf den Bus warten unterhalten sich mit dem Fahrer.
Dann rufen Sie uns dazu und erklären, daß er uns für 1000 Tugrig mitnehmen würde.
Die 50 Cent ist uns die Fahrt wert und wir steigen alle ein.
Das Auto ist schebig und sein Besitzer ekelig aber lieber schlecht gefahren als gut gelaufen….
I’m Hostel google ich dann auch mal was so ein Pullover eigentlich kostet und falle fast vom Glauben ab.
Jetzt bin ich doch froh das ich mir das Teil gegönnt hab.

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Natürlich sind auch noch mehr Sachen in den letzten 6 Tagen geschehen und ich hab auch viele tolle Bekanntschaften hier im Hostel gemacht.
So könnte ich auch noch über die Vier älteren Polen schreiben von denen einer gestern Geburtstag hatte wobei Andy und ich kräftig mit gefeiert haben…..mache ich aber nicht.😂

Heute sind nur 3 Dinge wirklich wichtig.
1. Mein Brüderchen hat Geburtstag.
2. Vor genau 10 Jahren hab ich meinen ersten Geocache gefunden.
3. In ein paar Stunden geht mein Zug Richtung China.


Ein Gedanke zu “Wie ich mal ein Schnäppchen gemacht habe

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