Wie ich mal den Sonnenuntergang verpasst habe

Das Gute am mongolischen Vodka ist, daß man am nächsten Morgen keine Kopfschmerzen hat.
Ich wache auf, Tatsuki mit dem ich mir das Zelt geteilt habe ist natürlich schon längst auf den Beinen.
Ich wage einen kurzen Blick nach draußen und sehe sofort, heute ist ein schöner Tag.

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Langsam werde auch die anderen wach, wir frühstücken, packen unsere Sachen zusammen und fahren los.
Lange brauchen wir nicht um die Schlucht zu erreichen.
Einsam ist es hier nicht gerade woran warscheinlich  die Schulklasse mit etwa 50 Kindern die vor uns läuft nicht ganz unschuldig ist.
Um doch ein wenig Ruhe zu haben überholen wir die Kids und folgen weiter einem kleinen Bächlein welches sich seinen Weg zwischen den gigantischen Felsen bahnt.

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Immer wieder müssen wir um den optimalen Weg zu gehen über den Bach springen, was uns im Gegensatz zu einer ein wenig unsportlichen Amerikanerin deren Hechtsprung wir live beobachten konnten, keine großen Probleme bereitete.
Nach etwa 2 km wird die Schlucht enger und etwas schwieriger zu erwandern.
Das ist die Stelle an der auch die meisten Besucher wieder umdrehen.
Andy ist der erste der sich seinen Weg weiter durch die Schlucht bahnt und auch Lisa und ich folgen ihm ein paar Minuten später.
Eigentlich sollte in der Schlucht das ganze Jahr über Eis sein.
Wir finden obwohl wir wirklich weit laufen leider keins.
Für tolle Eindrücke und ein paar Fotos reicht es allemal und ich finde auch endlich mal wieder einen Cache.
Auf dem Rückweg versuchen wir dann noch ein paar der kleinen Nagetiere die hier in der Schlucht leben zu fangen und Klaus (Name von der Redaktion geändert) fällt auf spektakuläre Weise über einen Felsen und reißt sich dabei ein Loch in die Hose.😂

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Seit 2 Tagen haben wir schon keinen Baum mehr gesehen. Dafür aber einige von diesen Schildern

Heute wollen wir endlich mal Sand sehen und das anvisierte Tagesziel, die Khongor Sanddünen klingt ach so als ob wir enlich „echte“ Wüste sehen.
Lange arbeitet sich unser UAZ durch felsige Schluchten und auch unsere Mittagspause legen wir hier ein.
Wärend Tugsuu und ich in einem nahen Bach den Abwasch machen (auf der Tour in den Norden haben vorallem Kati, Fips und Andy beim essen machen geholfen) fängt Beißa an zu kochen.
Weil er die Mahlzeiten die er zubereitet durch nummeriert wissen auch alle was es heute gibt. „Beißa Spacial Number 5“ steht heute auf dem Speiseplan.

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Weil hier auch schon mal die Frage gestellt wurde wie das mongolische Essen ist, hier kurz meine Eindrücke:
Die mongolsche Küche ist ungefähr so raffiniert und einfallsreich wie ein 11 Jähriger beim Liebesbrief schreiben.
Da man hier kein Obst und auch kaum Gemüse aber dafür Ziegen und Schafe im Überfluss hat, gibt es meist Fleisch mit Reis oder Nudeln und etwas Gemüse. Diese Kombination dann entweder gebraten oder mit Wasser als Suppe. In den Städten gibt es auch oft mit Fleisch gefüllte Teigtaschen die den wunderbaren Namen Buuz.
Generell gilt hier die Regel, je fettiger um so besser.
Ach mit dem würzen hat man es hier nicht so, außer Salz wird da nix weiter dran gemacht.
Beißa erzählt uns das es noch eine besondere Spezialität bei den Mongolen gibt, die sich Chorchog nennt.
Er nennt es mongolisches Barbecue und verspricht uns das wir wenn wir etwas Geld dazu geben dieser die nächsten Tage auch mal zu machen.

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Als wir die Berge verlassen erwartet uns wieder ein unendlich langes Nichts.
Stunden lang fahren wir weiter durch die Steppe bis irgendwann Sand zu sehen ist.

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Wir fahren weiter immer parallel zu den Sandmassen und selbst ein platter Reifen kann uns nicht lange davon abhalten unser heutiges Ziel welches aus ein paar Jurten etwa 1 Kilometer vom Sand entfernt zu erreichen.
Es gibt mal wieder Milchtee und Knabbereien zur Begrüßung.

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Aus irgend einem Grund ist Beißa ein wenig im Stress.
Er sagt die ganze Zeit das er schnell was zu essen kocht.
„Dinner is ready in ten minutes.“ Sagt er nun schon zum X-ten mal.
Mongolische 10 Minuten dauern etwa eine Stunde und wärend ich noch mit der heißen Suppe (Beißa Special Number 6) beschäftigt bin drängt er schon zur Eile.
Wenn wir den Sonnenuntergang von den Dünen fotografieren wollen müssen wir jetzt los!
So ganz verstehe ich zwar immer noch nicht warum jetzt so ein Stress gemacht wird, die Dünen sind nur 1 Kilometer entfernt und bis die Sonne untergeht dauert es auch noch wenigstens eine Stunde aber gut.
Wir schnappen uns also unsere Kameras, steigen in den UAZ und Tugsuu brettert los.
Wir fahren lange und Beißa beginnt schon sich zu entschuldigen weil wir es anscheinend nicht rechtzeitig schaffen.
Die Khongor Sanddünen erstrecken sich auf 180 Kilometer Länge und sind an der höchsten Stelle 400 Meter hoch.
Genau diese gigantischen Sanddühne besuchen wir.
Oben kann man schon einige Touristen sehen.
Der Wagen stoppt, wir ziehen die Schuhe aus und sprinten los.
Lange rennen wir nicht weil der Aufstieg im Sand nicht so leicht ist.
Wir sind schon ein paar Meter gekommen und ich ändere meine Meinung und mach aus dem „nicht so leicht“ ein sehr anstrengend.
Tatsuki meistert es am besten und hat schon einen ziemlich großen Vorsprung wärend Lisa, Andy und ich immer langsamer werden.
Andy hat jetzt auch die Nase voll und kehrt um.
Ich denke zwar auch kurz darüber nach zurück zu gehen aber wann hat man schon die Gelegenheit so einen Sandberg zu besteigen?!
Also Zähne zusammen beißen und weiter.
Einen Schritt vor, im Sand einsinken, nen halben Schritt zurück rutschen und dann das selbe Spiel mit dem anderen Fuß.
Ich hab schon ein gutes Stück geschafft da kommt mir eine Frau entgegen und erklärt mir, das der schlimmste Teil noch kommt, ich aber in ner halben Stunde oben sein könnte.
Vielen Dank für die Motivation!
In der Ferne sehe ich, das Tatsuki es geschafft hat und freude strahlend Fotos macht.
Das bekomme ich auch hin denke ich und quäle mich weiter nach oben.
Völlig außer Atem erreiche ich dann wirklich mein Ziel.
Der Wind weht mir Sand ins Gesicht und ich brauche ein wenig um mich von dem brutalen Aufstieg zu erholen aber es hat sich gelohnt!
Die Aussicht ist einfach fantastisch!
Nach einer halben Stunde (wir sind mittlerweile allein hier oben) wird es Zeit wieder nach unten zu gehen und ganz ehrlich? ! Es gibt nicht viele Sachen die mehr Spaß machen als die steile Dünen runter zu rennen.:mrgreen:

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Den Rest des Abends verbringen wir in der Jurte, spielen Karten und trinken in maßen;).


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