Wie ich mal mit einem störrischen Gaul gekämpft hab

Es ist schon fast 10 Uhr als ich aus meinem Zelt krabbel.
Hama ist natürlich schon lange wach, und hat auch schon den größten Teil fürs Frühstück vorbereitet.
Nach essen ist mir noch nicht aber gegen nen lecker Kaffee am morgen
hab ich nichts einzuwenden.
Das Wetter ist genau wie die Aussicht super.
In der Nähe unseres Camps sind einige Pferde friedlich am grasen und sogar aus dem kleinen Wäldchen neben dem wir unser Lager aufgeschlagen haben schauen mir ein paar Pferde beim Kaffee trinken zu.
Kati und Fips schlummern noch in ihren Schlafsäcken direkt neben unserem schon lange erloschenen Lagerfeuer, die beiden haben es wirklich durchgezogen und unter freiem Himmel übernachtet. Respekt!

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Langsam kommt leben in die Bude und einer nach dem Anderen wird wach und wir haben schon ein wenig ein schlechtes gewissen weil wir wieder viel zu spät in die Hufe kommen.
Ich schätze es ist etwa 11 Uhr als wir alle unsere Sachen im Auto verstaut haben und weiter fahren.
Ein letztes mal winken wir unseren Nachbarn dann geht es weiter über Stock und Stein Richtung Straße.
Wieder verbringen wir Stunden im Auto weil unser russisches Arbeitstier größten Teils Asfalt unter den Reifen hat ist die Fahrt recht ruhig und ich hab Zeit das Buch das ich mir in Irkutsk runtergeladen hab weiter zu lesen („The Walking Dead“ der erste Roman) und ich schaffe es auch ein paar Zeilen für meinen Blog mit dem ich mittlerweile schon fast 2 Wochen zurück hänge zu tippen.
Gegen halb 3 verlassen wir die Straße und ich muss mal wieder staunen wie Tugsuu es immer wieder schafft so wunderschön Stellen für die Mittagspause zu finden.
An einem kleine Flüsschen parken wir den UAZ und bereiten alles für unser kleines Picknick vor.
In der Ferne sieht man hohe Berge rechts und links des Flusses wächst saftiges grüne Gras, der Himmel ist blau und an den staubigen Hängen neben uns wachsen ein paar knochige Baume.

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In der nähe stehen ein paar gelangweilte Kühe und etwa 300 Meter entfernt kann man eine große Herde Ziegen sehen die langsam in unsere Richtung laufen.
Fips und Andy zögern keine Sekunde und springen in das kühle Nass.
Ich denke zwar einen Moment darüber nach es auch zu tun, ziehe es aber lieber vor mein Bad auf später zu verschieben.

Gerade als wir anfangen zu essen sind die Ziegen auf unserer Höhe und mit nem Pferd kommt auch der Besitzer der vielen Vierbeiner der sein Vieh immer vor sich her treibt bei uns vorbei.
Kurz entschlossen laden wir den Mann ein mit uns gemeinsam zu essen.
Die Einladung nimmt er gerne an und wärend seine Ziegen weiter laufen gesellt er sich zu uns.

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Lange hat der Hirte keine Ruhe nach etwa 15 Minuten verlässt er uns schon wieder um seine Tiere kurze Zeit später wieder an uns vorbei in die andere Richtung treibt.
Nachdem ein paar Meter Fluss aufwärts haufenweise Ziegen sich im und am Wasser befinden hat sich für mich das Thema mit dem baden gehen erledigt.

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Ein paar Minuten genießen wir noch das tolle Wetter bevor wir beginnen mit mittlerweile geübter Hand unsere Sachen wieder zu verstauen.
Nach einigen Kilometern wird es wieder zeit offroad zu fahren.

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So schaukeln wir uns immer weiter bis wir gegen 20 Uhr unser Tagesziel den Khuvsgul See erreichen.
Nach dem ich schon den tiefsten See der Welt besucht hab kann ich mich jetzt auch damit brüsten den tiefsten See der Mongolei gesehen zu haben.
Immer hin ist er 262 Meter tief, hat eine Länge von 136 Kilometern und ist 40 Kilometer breit.
Hier gibt es einige Jurten Camps für Touristen und eine dieser Jurten, die als wir ankommen von einem Yak bewacht wird ist für die nächsten 2 Nächte unser Zuhause.
Der See ist toll und das Wasser ist klar und eiskalt.

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Am nächsten morgen steht ein Ausflug hoch zu Ross auf dem Programm.
Ich fühle mich zwar nicht so gut aber möchte es mir auch nicht entgehen lassen wie ein echter Mongole am Ufer der Sees entlang zu reiten.
„Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde.“

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Ein Spruch dessen Wahrheitsgehalt ich in den letzten Jahren noch nie überprüft habe.
Jetzt ist es also soweit.
Ich bekomme meinen Rappen und schaffe es auch ohne Probleme auf Sattel (der schon oben auf dem Pferd liegt;)) Platz zu nehmen.
Auch die Anderen haben es geschafft auf zu sitzen.
Mayliss ist glücklich wie Bolle und der einzige unserer Gruppe der weiß was zu tun ist is Fips weil er schon einige Erfahrung mit diesen Tierchen hat.
Langsam setzt sich unsere Truppe in Bewegung und es klappt eigentlich ganz gut, bis mein Pferd beschließt, das es cooler ist Gras zu fressen als irgendwelche Touristen durch die Gegend zu schleppen.
Der Rest unserer Truppe reitet weiter wärend ich mein Pferd mit mäßigen Erfolg versuche zu überreden weiter zu gehen.
Kati hat ein ähnliches Problem aber wenigstens bewegt sich ihr Pferd,
dummerweise in die falsche Richtung aber irgendwas ist ja immer.
Irgendwann fassen sich Fips und unser mongolischer Führer ein Herz und helfen uns die Tiere wieder auf den richtigen Weg zu bringen.
Wärend des weiteren Weges versuche ich immer etwas Abstand zu Mayliss zu halten, weil sie das Pferd mit den Blähungen erwischt hat und ich beneide Andy ein wenig um seinen sehr ruhigen und anscheinend leicht zu „steuernden“ Schimmel.
Der Ausblick über den See ist großartig und es gibt wärend dieser Tour auch wirklich Momente in denen ich den Spruch mit dem Glück bestätigen kann.
Der Ausflug dauert 2 Stunden wobei ich weil es mir wie gesagt gar nicht so gut geht am liebsten langsam reite.
Natürlich ist mein Pferd gerade auf den letzten Kilometer da auch ganz anderer Meinung und trabt immer schneller Richtung Ziel.
Ich werde dabei durchgeschüttelt wie ein betrunkener Indianer und bin wirklich froh als ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen hab.

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Den Rest des Tages verbringe ich im Bett um meine Erkältung ein wenig aus zu kurieren.
Zum Glück ist ab Mittag das Wetter eh nicht mehr so gut und ich verlasse wirklich nur 2 mal kurz unser Ger (mongolisches Wort für Jurte). Einmal um nen kurzen Spaziergang zu machen und einmal um mit den anderen wenigstens ein Gläschen Vodka zu trinken.
Mayliss fühlt sich auch nicht so pralle und so habe ich beim krank in der Jurte liegen wenigstens etwas Gesellschaft.
Hama kümmert sich auch super um uns und versorgt ihre Patienten regelmäßig mit Tee.

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Irgendwann versuche ich mal wider das Glück auf dem Rücken der Pferde zu finden aber im Moment bin ich glücklich, das ich im Bett liegen kann.


2 Gedanken zu “Wie ich mal mit einem störrischen Gaul gekämpft hab

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